„Wenn Montabaur das schafft, dann können das andere Kommunen auch“, sagt Thilo Walet, Energiemanager der VG Montabaur. Unter diesem Motto stand der Workshop für kommunale Energiemanager in Montabaur. In einem einwöchigen Seminar wurden Erfahrungen ausgetauscht, Praxisbeispiele vorgestellt und vor allem Hemmschwellen abgebaut, sich dem Thema Energiemanagement zu nähern. „Wir konnten bereits in dieser Woche für einige Gemeinden mit dem Kom.EMS-System und der Analyse der bisherigen Struktur beachtliche Einsparpotenziale von 5 bis 10 Prozent herausarbeiten“, berichtet Roland Engel, der den Workshop zusammen mit Alexander Kuhn von der Energie- und Klimaschutzagentur geleitet hat.
Austausch auf Augenhöhe im Mittelpunkt

Neben den Praxisbeispielen aus Montabaur brachten auch die Teilnehmer ihre Erfahrungen und Fragestellungen aus ihren Heimatkommunen ein. Dabei stand der Austausch auf Augenhöhe während der gesamten Woche im Mittelpunkt. Beim kommunalen Energie-Management-System Kom.EMS handelt es sich um ein bundesländerübergreifendes Qualitätsmanagement- und Zertifizierungssystem. Es unterstützt Kommunen dabei, ihre Gebäude und Anlagen energetisch effizient zu betreiben. „Es geht darum, Energieverbräuche systematisch zu erfassen, Einsparpotenziale zu erkennen und das Energiemanagement kontinuierlich zu verbessern“, erklärt Roland Engel das Ziel von Kom.EMS. Mittlerweile wird das System in 13 Bundesländern eingesetzt.
Kom.EMS als Werkzeug für kommunales Energiemanagement
Mehr als 20 Energiemanager aus ganz Rheinland-Pfalz waren eine Woche im Montabaurer Rathaus zu Gast und ließen sich von den beiden Referenten zeigen, wie Kom.EMS funktioniert und wie man es am besten in den eigenen Arbeitsablauf integriert - vom Start bis zur Zertifizierung. Walet, der die Zertifizierung in Montabaur koordiniert hat, steuerte Praxisbeispiele bei.
Schritt für Schritt in die Praxis
Thilo Walet zeigte, wie man Schwachstellen und schnelle Einsparpotenziale findet. „Wenn man das Projekt in kleine Einheiten zerlegt, ist es einfacher, als viele denken“, motiviert er die Teilnehmer. Das Kom.EMS-System unterstützt diesen Prozess durch einen Leitfaden und strukturierte Auswertungsschritte.
Erste Maßnahmen beginnen oft ganz pragmatisch, etwa mit einem Blick auf die Gebäude von außen oder in den Heizungskeller. Viele befürchten, sich mit der Technik nicht auszukennen. „Nicht jeder muss alles können. Wer die eigenen Schwächen kennt, holt sich bei Einzelfragen Unterstützung – im eigenen Team oder bei einem externen Dienstleister“, sagt Roland Engel. Es gehe zunächst darum, sich einen Überblick zu verschaffen und grundlegende Daten zu erfassen: Wie alt ist die Heizungsanlage? Gibt es ein modernes Zählersystem? Außerdem: Wie hoch ist aktuell der Verbrauch und wie war dieser in den letzten Jahren? Vor Ort spielen insbesondere die Hausmeister eine wichtige Rolle, da sie Gebäude und deren Nutzer am besten kennen.
Kleine Schritte, große Wirkung
Auch die organisatorischen Rahmenbedingungen sind entscheidend. Walet betont, dass es hilfreich sei, wenn Verwaltung und politische Gremien hinter dem Thema stehen. „Das erleichtert den Einstieg.“ Fehlt diese Unterstützung, lasse sich dennoch oft mit Zahlen, Daten und Fakten überzeugen: „Wenn Energie gespart wird, wird CO2 reduziert, die Umwelt geschont – und die Kasse ebenfalls. Es hängt alles zusammen“, so Walet. Viele Einsparungen ließen sich bereits nach kurzer Zeit realisieren. Investitionen, etwa in moderne Zählersysteme, rechneten sich häufig schnell, wenn dadurch deutliche Einsparungen erzielt werden. Solche Erfolge wirkten motivierend.
Vernetzung für die Zukunft
Um den Erfahrungsaustausch fortzusetzen, wurde eine wöchentliche Online-Sprechstunde ins Leben gerufen. Dort können aktuelle Fragen geklärt, Zertifizierungsstufen besprochen und Praxisbeispiele vorgestellt werden. Bei Bedarf treffen sich die Teilnehmer vor Ort in einer Kommune. „So kommen alle voran und bleiben motiviert“, so das Fazit der beiden Referenten.
Kom.EMS-Zertifizierung
Die Verbandsgemeinde Montabaur hat als erste Kommune im Land die Kom.EMS-Zertifizierung erreicht. An drei Schulen konnte der Strom- und Wärmeverbrauch bereits um rund 30 Prozent gesenkt werden. Die neue INM-Software ermöglicht dabei ein kontinuierliches Monitoring der Verbräuche. Nach und nach sollen weitere kommunale Gebäude in das Energiemanagement einbezogen werden.


