In dieser Porträtserie stellen wir Paten vor und zeigen, wie aus ehrenamtlicher Unterstützung für Mentees die Chance entsteht, Schritt für Schritt ein neues Leben aufzubauen.
Chancenpatin: Maria Labonte aus Oberelbert
Betreut: 2 Familien aus der Ukraine
Seit: 2022 bzw. 2024 bis heute
„Zur Chancenpatin wurde ich mehr oder weniger durch Zufall“, erzählt Maria Labonte. „Ich hatte erfahren, dass Geflüchtete aus der Ukraine kurz nach Ausbruch des Krieges in Montabaur im Wohngebiet Himmelfeld ankommen. Meine Freundin und ich dachten uns: Da gehen wir mal hin und schauen, ob wir helfen können.“ So entstand der Kontakt zu einer jungen Mutter mit drei kleinen Kindern. An die erste Begegnung erinnert sie sich noch gut. „Wir haben den Google Übersetzer genutzt, um uns zu verständigen“, erzählt sie.
Ein spontaner Entschluss mit großer Wirkung
Zu Beginn ging es erst einmal darum, für die Familie eine Unterkunft zu finden. „Ich kannte jemanden, der eine Souterrain-Wohnung zu vermieten hatte.“ Die Diakonie half beim Aufsetzen des Mietvertrages. Schon Ende März 2022 konnte die kleine Familie dort einziehen. Anfangs war das nur ein Zimmer mit Küche.
„Wir gingen davon aus, das geht jetzt mal ein halbes Jahr, dann geht die Familie wieder zurück“, erzählt sie. „Ich wollte einfach helfen in dieser schwierigen Situation, die ja leider bis heute andauert.“ Maria Labonte hat über 40 Jahre in einem Reisebüro gearbeitet. Als Rentnerin möchte sie ihre Zeit nun sinnvoll nutzen. „Am Anfang war alles sehr aufwendig“, gibt sie zu. „Bei unserer Bürokratie ist es nötig, jemanden zu haben, der der deutschen Sprache mächtig ist.“ Es mussten Gespräche mit dem Jobcenter und dem Jugendamt geführt werden. „Am Anfang war ich auch unsicher. Aber in der Zwischenzeit kennt man sich ja aus.“ Die Mitarbeiter des Integrationsbüros waren dabei sehr hilfsbereit.
Ankommen beginnt mit kleinen Schritten
Die Geflüchteten brauchten vorläufige Ausweise. Die Kinder mussten geimpft werden, um einen Platz in der Schule bzw. im Kindergarten zu bekommen. „Bei den Ämtern waren sehr viele nette Menschen, die geholfen haben.“ Das Wichtigste sei aber der Sprachkurs gewesen. Die Kinder lernten die Sprache über Schule und Kindergarten. Mittlerweile sprechen alle Kinder fließend und akzentfrei Deutsch. „Die Familien sind sehr ehrgeizig, wollen sich schnell integrieren und finanziell unabhängig sein“, sagt die Chancenpatin.
Sprache öffnet Türen
Die junge Mutter hat mittlerweile das B1-Sprachniveau erreicht, was in Deutschland als Mindestvoraussetzung für eine erfolgreiche Einbürgerung gilt. Auch bei der Jobsuche konnte Maria Labonte behilflich sein. Ihr Schützling hatte im Agrar-Bereich gearbeitet, wollte hier in Deutschland aber einen Beruf von der Pike auf lernen und eine Ausbildung machen. Die Rentnerin stellte den Kontakt zu einer Metzgerei her. Mittlerweile ist die Ukrainerin bereits im 2. Lehrjahr und hat gerade erfolgreich ihre Zwischenprüfung abgelegt.
Eine zweite Familie findet ihren Platz
Vor zwei Jahren kam dann ihre Schwester ebenfalls mit drei Kindern nach Montabaur. Es war Ehrensache, dass Maria Labonte die Patenschaft auch für diese Familie übernahm. Die Ausbildung zur Krankenschwester scheiterte zunächst an der Sprachbarriere. Doch die Rentnerin blieb am Ball. „Wir waren bestimmt fünf Mal zum Vorstellungsgespräch, bis es schließlich geklappt hat.“ Die Ukrainerin hat sich in kürzester Zeit das Sprachniveau B2 erarbeitet, so dass ihrem Traumberuf nichts mehr im Wege steht.
Anfangs hat sich die Chancenpatin fast täglich mit ihren Schützlingen getroffen, mittlerweile sehen sie sich etwa einmal die Woche und nach Bedarf. „Wir sind über WhatsApp verbunden.“ Und wenn mal wieder ein Formular auszufüllen ist, helfen sie und ihr Ehemann. Ihr Wunsch: „Ich fände es wunderbar, wenn sich noch mehr Leute als Chancenpaten engagieren. Es ist so schön, zu sehen, wie jedes einzelne Familienmitglied seinen Weg geht. Und ich bin auch stolz, dass sie alle so einen Weg gemacht haben.“ Die Rentnerin betont: „Die Leute müssen keine Angst vor der Arbeit oder der Bürokratie haben.
Eine Patenschaft, die beide Seiten bereichert
„Es ist eine Win-Win-Situation,“ sagt Maria Labonte. So sei sie inzwischen die „Leih-Oma“ für die Kinder geworden und fährt sie auch mal ins Schwimmbad. Da sie selbst keine Enkel hat, bedeutet ihr das besonders viel. Die Kinder haben deutsche Freunde, die Mütter verstehen sich sehr gut mit ihren Kollegen. Sie betont: „Die Menschen wollen sich integrieren und sie wollen geschätzt werden.“ Davon ein Teil zu sein und den Weg mit zu begleiten ist eine wunderbare und lohnende Erfahrung.
Weitere Informationen und die Ansprechpartnerin zu Chancenpatenschaften erhalten Sie auf der Website des Generationenbüros "Chancenpatenschaften".


