Stadtarchiv ist jetzt im Quartier Süd

Viele der alten Bauakten wurden noch handschriftlich geführt. Nun werden sie gut geschützt in den neuen Spezialboxen verwahrt.

Der Auszug aus dem Rathauskomplex am Konrad-Adenauer-Platz war nötig geworden, weil die Verwaltung bald in das neue Verbandsgemeindehaus umziehen wird. Die bisherigen Räume des Stadtarchivs waren technisch eng verbunden mit der Verwaltung und sollen mit dem VG-Rathaus zusammen verkauft werden. Nach langer Suche hat die Stadt im Quartier Süd ein geeignetes Domizil für ihre Geschichte gefunden. In der angemieteten Werkhalle lagert der Bauhof außerdem die Weihnachtsbeleuchtung und weiteres Material. „Es hat sich gut gefügt, dass das Stadtarchiv hier mit einziehen konnte“, sagte Stadtbürgermeisterin Melanie Leicher bei ihrem Besuch. Sie betonte, dass der Umzug das vorgesehene Budget von 85.000 Euro deutlich unterschritten hat. „Wir haben rund 35.000 Euro gespart. Mein Dank gilt allen, die mit angepackt haben.“

 

Stadtarchivar Dennis Röhrig hat den Umzug genutzt, um einige grundlegende Arbeiten anzugehen: So ließ er sämtliche alte Bauakten seit den 1870er Jahren einer Trockenreinigung und Entmetallisierung unterziehen und verwahrt sie nun in neu angeschafften Archivkartons, wo sie vor säurebedingtem Zerfall, Klimaschwankungen, Lichteinflüssen, Staub und Ungeziefer geschützt sind. Die Lagerkartons füllen jetzt einen Teil der neuen Rollregale, die auf Schienen montiert sind und mit Hilfe von Kurbeln bewegt werden können – auch das eine Neuanschaffung. Regale, Spezialkartons und Aktenreinigung wurden mit Landesmitteln in Höhe von 30.000 Euro bezuschusst.

 

Für großformatige Dokumente aus den vergangenen Jahrhunderten gibt es nun einen fachgerechten Kartenschrank mit vielen Schubladen, in dem sie gut geschützt verwahrt werden. Zuvor wurden die Großformate digitalisiert, wie Jan Weitz berichtet, der derzeit sein freiwilliges soziales Jahr im Stadtarchiv absolviert und diese so wie viele andere Arbeiten rund um den Umzug erledigt hat. Eine Besonderheit ist auch der Quarantäne-Container, der in der Lagerhalle steht: Neu eingehende Dokumente, zum Beispiel aus Nachlässen, werden hier in Kunststoffboxen luftdicht verpackt und für einige Wochen stehen gelassen. „Falls sich Schädlinge wie Papierfische darin befinden oder Schimmelsporen können wir diese so isolieren und vermeiden, uns diese ins Haus zu holen“, erklärt Röhrig die Funktion des Containers. Während des Umzuges hatte Röhrig alleine rund 80 Umzugskartons gefüllt mit Nachlässen gesichtet, eingepackt, beschriftet und auch wieder ausgepackt sowie einsortiert „Ich bin froh, dass wir jetzt alles hier an einem Ort haben und das Nebenlager in der Stadthalle Haus Mons Tabor auflösen konnten.“ Besucher empfängt er in seinem Büro, das zugleich als Lesesaal dient.

 

Geschwister-Scholl-Straße 11 lautet die neuen Anschrift des Stadtarchivs. Der Eingang befindet sich rechts hinter dem Gebäude.

Das neue Stadtarchiv befindet sich in der Geschwister-Scholl-Straße 11 im Quartier Süd in Montabaur. Der Eingang liegt von der Straße aus gesehen rechts hinter dem Gebäude. Wer das Archiv besuchen möchte, sollte vorab einen Termin vereinbaren und dann bei Ankunft einfach um das Gebäude herumgehen und dort neben dem Eingang klingeln. Termin vereinbaren unter Telefon 02602 / 126-376 oder per E-Mail an stadtarchiv@montabaur.de. Die üblichen Öffnungszeiten sind Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag jeweils von 9.00 - 13.00 Uhr und von 14.30 - 17.30 Uhr.

 

 

 



STADTARCHIV DIGITAL

Neu: Lexikon historischer Personen:

Während der physische Bestand des Stadtarchivs nun ein neues Zuhause gefunden hat, arbeiten Stadtarchivar Dennis Röhrig eine Arbeitsgruppe beständig weiter an der digitalen Erfassung der Inhalte. Dabei werden die alten Dokumente nicht nur einfach gescannt und damit digital gesichert. Vielmehr werden die alten Handschriften in unsere heutige Schrift übertragen und mit Schlagworten versehen, so dass der Bestand online durchsucht werden kann. Das Digitalarchiv befindet sich im noch im Aufbau, vieles ist bereits eingepflegt, anderes noch in Arbeit. Seit Dezember wird ein historisches Personenlexikon digital bereitgestellt: Biografien zu mehr als 550 Persönlichkeiten der Stadtgeschichte wurden fundiert recherchiert und sind nun online verfügbar, es werden ständig weitere Einträge hinzugefügt. Die Idee und erste Ausarbeitungen für das Montabaurer Personenlexikon stammte vom einstigen „Historischen Stammtisch“, dem seinerzeit Dr. Paul Possel-Dölken, Dr. Hermann-Josef ten Haaf, Dr. Hermann Josef Roth, Winfried Röther und Bernd Schrupp angehörten. Fortgeführt und ins Digitale überführt wurde das Projekt außerdem von Herbert Winkenbach, Ulrich Keller, Eleonore Lenz, Fritz Schwind sowie Wolfgang Ackva und Max Schneckenbühl, die mittlerweile verstorben sind.

Neu: Bauakten nun digital und tiefenerschlossen:

Parallel zum Umzug lief die Digitalisierung und Tiefenerschließung der ältesten Bauakten ab den 1870 er Jahren bis ins frühe 20. Jahrhundert. Durch eine Filterfunktion ist es nun möglich, die historischen Bauakten z. B. nach Personen (v.a. Antragsstellern), Dokumententypen wie Grundrissen, Bauscheinen oder Schriftverkehr, aber auch Straßen oder Schlagwörtern zu durchsuchen. Außerdem ist die Stichwortsuche möglich. Die digitalen historischen Bauakten eignen sich als Ergänzung der Familienforschung, die über das digitale Personenregister erfolgt, aber auch als Rechercheinstrument für heutige Hauseigentümer und Mieter.

Zu finden ist das wachsende Digitalarchiv unter: https://digitalarchive.montabaur.de

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