Die aktuelle Finanzlage
Im Jahr 2025 musste die Stadt Montabaur einen Rückgang der Gewerbesteuer um 10 Mio. Euro verkraften und hat daraufhin ihre Einnahme-Erwartung für 2026 um diesen Betrag reduziert - auf nunmehr 32,5 Mio. Euro. Seit wenigen Tagen ist bekannt: Im laufenden Jahr muss die Stadt zusätzlich einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag einsparen; sie muss ihre Finanzplanung nun komplett neu ordnen. Das war zu Jahresbeginn nicht abzusehen. Der Rückgang der Steuereinnahmen hat auch Auswirkungen auf die VG, die über die Umlagezahlungen ihrer Mitgliedsgemeinden finanziert wird. Hier lag der Anteil der Stadt in den letzten Jahren bei weit über 50%. Aktuell arbeiten die Verwaltung und die städtischen Gremien gemeinsam daran, den Haushaltsplan für die Stadt neu aufzustellen und Prognosen für die folgenden Haushaltsjahre zu treffen. „Erst nach diesem Kassensturz wissen wir, was wir uns künftig noch leisten können“, erklärte Stadtbürgermeisterin Melanie in einer Stellungnahme im Stadtrat. Gleiches gilt für die VG, die den erheblichen Rückgang der Umlagen in ihrer Finanzplanung berücksichtigen muss. „In dieser Situation müssen wir für das Großprojekt „Neues Mons-Tabor-Bad“ erstmal die Pausetaste drücken und uns neu sortieren“, begründete VG-Bürgermeister Ulrich Richter-Hopprich die Entscheidung, den Architektenwettbewerb zurückzuziehen.
Auf dem Weg zum neuen Bad
Das Mons-Tabor-Bad in Montabaur ist sehr in die Jahre gekommen, es hat viele technische und bauliche Mängel. Eine Sanierung wäre unwirtschaftlich im Vergleich zu einem Neubau. Hinzu kommt: Bei einer Sanierung müsste das Bad für mehrere Jahre geschlossen werden, funktionale Mängel könnten nur zum Teil behoben werden. Außerdem ist der Bedarf an verschiedenen Becken, Wasserflächen und Funktionen gestiegen, so dass das alte Bad erweitert werden müsste. Deshalb haben sich Stadt und VG gemeinsam auf den Weg gemacht, um ein neues Bad zu bauen. Es wurde ein Raum- und Beckenprogramm beschlossen und die Finanzierung geplant. Fest steht auch, dass das neue Bad auf dem Gelände des bisherigen Bades entstehen soll.
Der Architektenwettbewerb
Nachdem so alle Grundlagen feststanden, hatte die VG als Bauherrin im März einen Architektenwettbewerb ausgelobt, um verschiedene Entwürfe für ein neues Bad zu erhalten. Im September sollte ein Preisgericht den besten Entwurf prämieren und der Öffentlichkeit präsentieren. „Warum sollen wir uns ein Bad planen lassen, von dem wir heute schon wissen, dass wir es uns nicht leisten können? Das ist es besser, wir gehen jetzt im Projekt nochmal ein paar Schritte zurück, planen die Finanzierung neu und erarbeiten dann ein neues Raum- und Beckenprogramm, das wir uns dann auch leisten können“, so Richter-Hopprich. In ersten Phase des Architektenwettbewerbs konnten sich Planungsbüros für eine Teilnahme bewerben. 20 Büros sollten zugelassen werden, 27 hatten sich bereits beworben. Die Bewerbungsfrist endete am 24. April. „Deshalb war es jetzt der richtige Zeitpunkt, den Wettbewerb zurückzuziehen, ehe die Büros, die den Zuschlag erhalten, mit ihrer Planungsarbeit beginnen. Bislang sind noch keine nennenswerten Kosten entstanden“, erklärt Richter-Hopprich. „Wir bedanken uns bei allen Bewerbern für ihr Interesse und bitte um Verständnis für unsere Entscheidung.“
Das alte Mons-Tabor-Bad
Das alte Bad ist weiterhin in Betrieb – und das soll auch möglichst lange so bleiben. Das Bad-Team hält Technik und Gebäude mit viel Erfahrung und Geduld am Laufen, aber schon ein kleiner Defekt kann zur Schließung des Bades führen, weil es für viele technische Komponenten schon lange keine Ersatzteile mehr gibt. „Wir hoffen, dass unser Bad noch ein paar Jahre durchhält bis wir eine Lösung gefunden haben. Es ist und bleibt unser Ziel, ein gutes Schwimmbad in Montabaur zu haben“, sagt Bürgermeister Richter-Hopprich. Allerdings räumt er ein, dass die Röhrenrutsche leider geschlossen bleiben muss und es vorerst auch keine neue geben wird. Dafür öffnet das Freibad Mitte Mai seine Tore für die Sommersaison. „Da haben wir ja zumindest die schnelle rote Rutsche.“


