Sondersitzung des Verbandsgemeinderats


Neue Ansätze zur Breitbandversorgung

Detailinformationen finden Sie auch hier: www.wir-wollen-breitband.de




 

Schnelles Internet für alle! So lautet das Ziel einer aktuellen Initiative der Verbandsgemeinde Montabaur (VG) zur Breitbandversorgung. In einer Sondersitzung hat der Verbandsgemeinderat zusammen mit den Ortsbürgermeistern und dem Stadtbürgermeister sowie deren Beigeordneten die Ergebnisse der Bürgerbefragung „Wer hat welchen Bedarf?“ ausgewertet und Schritte zum weiteren Vorgehen vereinbart. So soll nun ein Ansatz verfolgt werden, nach dem die VG in Kooperation mit den Ortsgemeinden eine eigene Gesellschaft gründet. Diese würde ein Glasfasernetz aufbauen und  betreiben. Zudem könnte eine weitere Gesellschaft Telekommunikationsdienste anbieten. Bis zum Herbst 2013 könnte es so weit sein. Zunächst müssen jedoch noch technische, rechtliche und wirtschaftliche Details geprüft werden. Parallel dazu sollen die Ortsgemeinderäte und der Stadtrat über das Thema beraten und entscheiden. Die Anwesenden waren sich einig: Es besteht konkreter Handlungsbedarf, das Thema duldet keinen Aufschub.


Vorgeschichte


Seit 2008 steht die Breitbandversorgung auf der Agenda der VG. Schließlich ist die Verfügbarkeit von schnellen Internetverbindungen ein bedeutender Faktor bei der Bewertung und Auswahl eines Wohn- oder Wirtschaftsstandorts. Außerdem ist die Versorgungslage in den 24 Ortsgemeinden und innerhalb der Stadt Montabaur sehr unterschiedlich. Im Frühjahr 2009 erfolgte eine erste Bedarfserhebung in der Bevölkerung. In der Folge wurden Verträge mit Unternehmen geschlossen, die in vielen Ortsgemeinden Internetzugänge auf Funkbasis für die Endkunden anbieten. Damit werden derzeit Bandbreiten von bis zu 3 Mbit/s erreicht; das entspricht in etwa DSL 3.000. Im Vergleich dazu sind bereits einige Bereiche in der VG auf Kabelbasis mit DSL16.000 versorgt. „Funklösungen stellten sich als gute Möglichkeit zum schnellen Schließen von Versorgungslücken dar. Sie werden aber den künftigen Anforderungen an leistungsstarke Verbindungen nicht mehr gerecht.“, stellt Projektleiter Stefan Heibel von der VG-Verwaltung fest. Weitere Überlegungen zur Breitbandversorgung sollten schließlich in einer Machbarkeitsstudie überprüft werden. Auftakt zu dieser Studie war eine erneute Bürgerbefragung im Frühjahr 2011. Fazit: Rund 80 % der Befragten fühlen sich unterversorgt oder sind es de facto, weil sie nicht einmal die als Mindeststandard definierten 2 Mbit/s (DSL 2.000) erreichen. In der Zwischenzeit führte die Verwaltung Gespräche mit verschiedenen Netzbetreibern und Internetanbietern. Diese sahen sich aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus nicht der Lage, sämtliche Ortsgemeinden mit schnellem Internet via Kabel zu versorgen. „Das bezeichnet man als Marktversagen“, so Heibel. Er hatte eine weitere schlechte Nachricht für die Ratsmitglieder und Ortsgemeindevertreter: Laut zuständiger Landesbehörde sollen in der VG nahezu alle Ortsgemeinden und Stadtteile den vom Land festgelegten Mindeststandard von 2 Mbit/s (DSL 2.000) basierend auf der Nutzung von Mobilfunknetzen, haben. Diese Mobilfunknetze können jedoch bei der geringen Stabilität der Bandbreite insbesondere nicht die Anforderungen für eine berufliche und gewerbliche Nutzung erfüllen. Deshalb gilt die VG als ausreichend versorgt, so dass keine Landeszuschüsse für einen weiteren Ausbau der Netze zu erwarten sind.

 


Weiteres Vorgehen


„Wenn keiner es macht, dann werden wir selbst aktiv. Nichts tun ist keine Option.“ So fasste Bürgermeister Edmund Schaaf die Vorüberlegungen zu den nächsten Schritten zusammen. Zusammen mit Stefan Heibel und den beiden Projektberatern Horst Flabb (technische Aspekte) und Dr. Harald Breitenbach (wirtschaftliche Fragen) stellte er die Idee vor, eine eigene Infrastrukturgesellschaft in Form einer GmbH zu gründen. Diese könnte das passive Glasfasernetz aufbauen und selbst betreiben oder es an einen Netzbetreiber vermieten. Über eine weitere Gesellschaft könnten zusätzlich Internetdienste einschließlich Telefon und Fernsehen angeboten werden. Dabei sollen marktübliche Preise für den Endkunden angeboten werden. Nachdem Horst Flabb umfassend über die technischen Aspekte eines solchen Vorhabens informiert hatte (siehe unten), stellte Dr. Harald Breitenbach von der Mittelrheinischen Treuhand anhand von verschiedenen Rechenszenarien die wirtschaftlichen Planungen vor. Dabei wies er besonders auf die Risiken aber auch auf die Chancen hin, die mit einem solchen Unternehmen verbunden sind. Beide Experten betonten, dass  bislang nur die generelle Machbarkeit eines solchen Konzepts betrachtet wurde, einige technische, wirtschaftliche und rechtliche Detailfragen aber noch zu klären sind.

 

 

Anstehende Entscheidungen


„Bevor wir weitere Schritte auf diesem Weg gehen und dafür Geld ausgeben, möchte ich von Ihnen ein klares Votum haben, ob Sie als kommunalpolitisch Verantwortliche grundsätzlich bereit sind, diesen Weg der Gründung einer eigenen Gesellschaft mitzugehen“, leitete Bürgermeister Edmund Schaaf die Diskussion ein. „Dabei geht es heute keineswegs um eine endgültige Entscheidung, sondern um die Vorgabe einer Richtung, die wir weiter verfolgen wollen. Erst wenn alle Detailfragen geklärt sind (siehe oben) und die Ortsgemeinden Position bezogen haben, werden Beschlüsse gefasst.“ In ihren Diskussionsbeiträgen signalisierten die meisten Ratsmitglieder und Ortsvertreter Zustimmung zu diesem Ansatz, zumal auch aus diesem Teilnehmerkreis heraus keine alternativen Lösungen oder Konzepte vorgeschlagen wurden. Viele Redner wiesen darauf hin, dass eine zukunftsorientierte Breitbandversorgung ein wichtiger Standortfaktor ist. So wurde der Auftrag an die Verwaltung erteilt, an diesem Projekt weiter zu arbeiten und die Rahmenbedingungen für die Gründung einer eigenen Gesellschaft zu konkretisieren. Die Ortsgemeinderäte und der Stadtrat haben in der Zwischenzeit zu entscheiden, ob sie die Aufgabe der Breitbandversorgung auf die VG übertragen oder an eigenen Lösungen arbeiten wollen. Nach der generellen Frage, ob der Weg einer eigenen Gesellschaft befürwortet wird, gilt es in den Räten zu klären, in welcher Form das neue Unternehmen ausgestaltet werden kann. Beispielsweise könnte die VG die alleinige Trägerschaft übernehmen oder ihre Mitgliedsgemeinden werden Gesellschafter. Dieser kommunalpolitische Prozess könnte nach Schaafs Einschätzung bis Ende März 2012 abgeschlossen sein.

 


Technische Aspekte


„Die Zukunft der (nicht mobilen) Breitbandkommunikation gehört eindeutig der Glasfaser“, konstatierte Horst Flabb, der die VG als Netzwerk-Experte beim Projekt Breitbandversorgung berät. Glasfasern, so genannte Lichtwellenleiter, werden aus hochreinem Quarzglas hergestellt und übertragen Daten als optische Signale, also mit annähernd Lichtgeschwindigkeit. Sie sind haarfein und können Übertragungsraten von mehr als einem Terabit pro Sekunde erreichen – ein Spielfilm könnte damit in weniger als einer Sekunde heruntergeladen werden. Die zurzeit gängigen und durchaus bedarfsgerechten Nutzungsraten liegen beim Glasfaserbetrieb zwischen 100 Mbit/s und 10 Gigabit/s. Solche Geschwindigkeiten können mit herkömmlicher elektrischer Übertragung über Kupferkabel  nicht oder nur über sehr kurze Stecken erreicht werden. Ziel ist es, in allen Ortsgemeinden Glasfaserleitungen bis an  die Kabelverzweigerschränke („Graue Kästen“ der Telekom) zu verlegen, von denen aus dann die Gebäude über die so genannte „letzte Meile“ – in der Regel bis zu 500 Meter – über das vorhandene Kupferkabel angeschlossen werden. So können Übertragungsgeschwindigkeiten 25 bis 50 Mbit/s erreicht werden. Da die Glasfaserleitung unterirdisch verlegt werden müssen, stehen beim Aufbau eines Glasfasernetzes erst einmal umfangreiche Baumaßnahmen an.

 

 

Zeitlicher Rahmen


Die folgenden Termine sind als Eckdaten zu verstehen. Voraussetzung ist jeweils, dass alles so verläuft, wie es momentan angedacht ist.


  • bis Ende März 2012: Beratung und Beschlussfassung in den kommunalpolitischen Gremien


  • bis Ende März 2012: Klärung der noch offenen technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen  durch die Verwaltung und die Beratungsbüros.


  • bis Herbst 2012: Gründung der Gesellschaft(en) einschließlich der erforderlichen aufsichtsbehördlichen Genehmigungen

  • ab Herbst 2012: Durchführung der Genehmigungsplanung und parallel dazu Bau des Leerrohrnetzes für die Glasfasern


  • ab April 2013: Einblasen der Glasfaserkabel in die Lehrrohre und Anschließen der Kabel. Außerdem Bau der aktiven Technik

  • ab Juni 2013: Aktivieren der Infrastruktur und Inbetriebnahme bis zum Hausanschluss

  • im Herbst 2013: Fertigstellung erste Ausbaustufe: Die ersten Nutzer surfen, telefonieren, schicken E-Mails




Zu den Terminen erklärte Bürgermeister Schaaf: „Unser Zeitplan ist ambitioniert. Es sind viele Fragen zu klären. Wir wollen zügig arbeiten, aber mit der gebotenen Gründlichkeit. Da viele Gremien zu beteiligen sind, bleiben selbstverständlich deren Entscheidungen abzuwarten.“


Weitere Informationen zum Thema gibt es bei Projektleiter Stefan Heibel, Tel.: 02602 / 126-196, E-Mail: kontakt@wir-wollen-breitband.de und im Internet unter www.wir-wollen-breitband.de

 

 





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