Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea und dem Balkan teilen ihre Geschichten, ihre Speisen und ihre Musik. Die Initiative „Flüchtlinge in der Augst“ hatte zum Treffen der Nationen nach Simmern eingeladen.


Zwischen Trauer und Tanz

Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea und dem Balkan teilen ihre Geschichten, ihre Speisen und ihre Musik. Die Initiative „Flüchtlinge in der Augst“ hatte zum Treffen der Nationen nach Simmern eingeladen.




 


 

Der Saal im Haus Siebenborn ist mit über 200 Besuchern bis an seine Grenzen gefüllt, doch es wird ganz still, als die Frau aus Eritrea stockend von ihrer Heimat erzählt. Vom Vater und dem einzigen Bruder, die in der schlimmsten Diktatur Afrikas zum Militärdienst gezwungen worden waren. Beide starben in den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Äthiopien. Als auch sie selbst erneut rekrutiert werden soll, lässt sie ihren Friseurladen und ihre alte Mutter allein zurück und flieht.

 

Einer der jungen Eritreer berichtet über die tagelange Reise durch die Wüste, die Schläge und Misshandlungen durch die Schleuser, wenn die Flüchtenden miteinander sprechen und Kontakt knüpfen. Im kleinen Boot mit über 500 Flüchtlingen, mehr als die Hälfte Kinder, wagt er sich über das Mittelmeer. Die Sonne sticht, die Kinder schreien und weinen. Vor der Küste Italiens werden sie gerettet. Plötzlich bekommen die bekannten Szenen aus den Nachrichtensendungen in Simmern ein Gesicht.

 

Ein Syrer erzählt, wie der IS sein Haus besetzte, ihn entführte und schlug. Nach Zahlung der Ersparnisse als Lösegeld ließ man ihm dann einige Stunden, um das Nötigste zu packen und mit seiner Frau die Flucht anzutreten. Durch die Türkei ging es nach Bulgarien. Dort wurden sie in einem großen Raum mit 15 weiteren Familien und Millionen Kakerlaken interniert. Mangelernährung und katastrophale hygienische Zustände führten zu weitverbreitetem Durchfall. Nun hofft er auf Bleibemöglichkeit in Deutschland.

 

Es war das Ziel der Initiative „Flüchtlinge in der Augst“ in persönlichen Geschichten und Begegnungen das Schicksal der vielen Menschen, die zur Zeit in Deutschland und damit auch im Westerwald Zuflucht suchen, näher zu bringen. Aber nicht nur die entsetzlichen Leiden in ihrer Heimat und die Gefahren des Fluchtweges wurden mit den zahlreich erschienenen Einheimischen geteilt. Auf einer langen Tafel standen zwischen deutschen Kuchen zahlreiche Gerichte aus Afrika, Syrien und dem Balkan. Und bei eritreischem Gesang zu einem aus Holzresten selbstgebastelten Saiteninstrument klatschten alle mit. Sieglinde Müssig-Jarnicki von der Flüchtlingsinitiative in Hübingen hatte ein Quodlibet mitgebracht, bei dem auch die deutschen Stimmen mitsangen. Bei syrischen Tänzen, im großen Kreis von vielen getanzt, klang der inhaltsreiche Nachmittag langsam aus.

 

Die Initiative „Flüchtlinge in der Augst“ leistet Dienst, nicht nur an den Flüchtlingen mit ihren zahlreichen Hilfestellungen. „Wir leisten auch Dienst an Deutschlands Zukunft – indem wir z.B. mit unseren ehrenamtlichen Deutschkursen und unseren Freizeitangeboten verhindern, dass Menschen ins Nichtstun abgleiten und schlechtes, selbstgebautes Deutsch lernen. Das lange Warten auf einen Integrationskurs ist schädlich, denn wer kein Deutsch kann, kann Deutsch lernen. Wer sich falsches „Infinitiv-Deutsch-ohne-Artikel“ angewöhnt hat, bekommt es nicht mehr los!“, so hatte Martina Kissel-Staude, Leiterin und Gründerin der Initiative, zu Beginn des Nachmittags die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen beschrieben. Flüchtlingsarbeit sei auch Gottesdienst („Was ihr dem Geringsten getan habt, habt ihr mir getan“), und Dienst an und für sich selbst durch das Gewinnen wertvoller neuer zwischenmenschlicher Erfahrungen, so Kissel-Staude.

 

Unter die zahlreichen Gäste hatten sich auch etliche Politiker gemischt, besonders Vertreter der Ortsgemeinden in der Augst und Dr. Helmut Stadtfeld, der beim Westerwaldkreis als Dezernent für die Flüchtlingsarbeit verantwortlich ist. Von Seiten der Verbandsgemeinde Montabaur, die für die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge vor Ort zuständig ist, besuchten Bürgermeister Edmund Schaaf, der Erste Beigeordnete Andree Stein sowie Flüchtlingskoordinator Uwe Kusber das Treffen der Nationen. „Ich bin stolz auf das, was hier geleistet wird. Das ehrenamtliche Engagement ist enorm. Und ich freue mich, dass so viele Bürgerinnen und Bürger heute Nachmittag hier sind“, lobte Bürgermeister Schaaf die Veranstaltung. 

 

Zuletzt war die Veranstaltung auch ein Dienst an den Besuchern aus der Augst und Umgebung, die bei vielfältigen Speisen, froher Musik und berührenden, konkreten Informationen aus den Krisenregionen der Welt  bereichert nach Hause gingen.

 

 

Das Treffen der Nationen war mit 200 Gästen sehr gut besucht; die Organisatoren hatten mit der Hälfte gerechnet.

Das Treffen der Nationen war mit 200 Gästen sehr gut besucht; die Organisatoren hatten mit der Hälfte gerechnet.

 

Die Pfadfinder aus Neuhäusel und Simmern hatten ein buntes Rahmenprogramm für die Kinder auf die Beine gestellt.

Die Pfadfinder aus Neuhäusel und Simmern hatten ein buntes Rahmenprogramm für die Kinder auf die Beine gestellt.

 

Deutsch-Syrische Verbundenheit: Was als Betreuung begann, ist längst Freundschaft geworden: (v.l.) Angela Yomo, syrischstämmige Übersetzerin aus Nassau, Günter Goedtel aus Simmern und der syrische Flüchtling Farhan Mallik. Im Hintergrund steht Doris Knopp, die als pensionierte Lehrerin Flüchtlingen Deutschunterricht erteilt.

Deutsch-Syrische Verbundenheit: Was als Betreuung begann, ist längst Freundschaft geworden: (v.l.) Angela Yomo, syrischstämmige Übersetzerin aus Nassau, Günter Goedtel aus Simmern und der syrische Flüchtling Farhan Mallik. Im Hintergrund steht Doris Knopp, die als pensionierte Lehrerin Flüchtlingen Deutschunterricht erteilt.

 

 

 




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